Die Perchten, von „peraht“ (althochdeutsch: hell, glänzend), sind im Brauchtum weibliche Masken- und Sagengestalten, die am Ende der Rauhnächte in verschiedenen Regionen in Erscheinung treten. Die Percht gilt als Schicksalsfrau und als Seelenbegleiterin, sie übt Kontrolle aus, achtet auf Ordnung und straft. In dieser Funktion erscheint sie zum Jahreswechsel bereits in der Antike. Die Perchta oder Berchta ist eigentlich Frau Holle und damit die germanische Göttin Hel, trägt aber auch Züge der germanischen Göttinnen Freyja und Frigg. Neben Frau Holle kennt man sie außerdem noch als Frau Harke, Frau Stampa, Frau Gode oder Frau Wode.

Ebenso ist sie die aus der Ostmark und anderen Gebieten bekannte Gaben bringende „Budelmutter“ oder „Lutzelfrau“, die allein, oft aber auch in Begleitung gegensätzlicher Gestalten, die Menschen aufsucht. In Franken kennt man die Eisenberta. Auch die heilige Barbara bringt an ihrem Kalendertag den Kindern Geschenke. Sie ist an die Stelle einer der drei Perchten getreten, wie die Luzia, auf die der Name „Lutzelfrau“ hinweist.

Das Mittelalter sieht in der „domina berchta“ (lat.: Herrin Berchta) eine Allegorie der Sünde (Prunksucht). Das Perchtenlaufen und -springen wurde zum folkloristischen Schaubrauch. Dabei werden geschnitzte groteske Masken getragen, die zum Vertreiben dämonischer Mächte erforderlich sind. Dies soll dazu dienen, um die Erde zum Leben zu erwecken, damit sie fruchtbar und ertragreich sei.

Das Perchtenfest findet am Abend des 2. Januar statt. Man feiert das Ende der Rauhnächte und die Vertreibung des Winters. Bei den Germanen war es der Beginn des neuen Jahres (Neujahr war der 3. Januar, doch ein Tag begann bei ihnen immer mit dem Vorabend). Festsymbole sind Fackeln, Rasseln, Trommeln und Masken. Die christliche Entsprechung ist neben Silvester hauptsächlich Heilige Drei Könige beziehungsweise die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, wohin dieser Festtermin durch die christliche Verschiebung der Rauhnächte verlegt worden ist.

Dieses Fest gehört nicht direkt zu den heidnischen Festen des Jahresrades, ist aber dennoch ein Feiertag. Es ist das Ende der Mittwinterfeste und damit auch die letzte und das Ende der Rauhnächte. Die als Hexen maskierten Perchten laufen durch die Nacht und machen Lärm, um die letzten Reste des Winters zu vertreiben. Man begrüßt das neue Jahr und den hereinbrechenden Frühling.

Der letzte Julschmuck wird abgeräumt, die Zeit des Feierns ist vorbei, und die Arbeit wird wieder aufgenommen. Das junge Mädchen beziehungsweise der Knabe erhalten nach altem keltischen Brauch im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ihren Erwachsenenstatus. Auch die junge Sonne (als Sonnengott) erhält nun ihren magischen Namen, ihre Waffen, sowie ihren Auftrag in der Welt.

In der Perchtennacht wird die Macht der Rauhnächte, der wilden Jagd und des Winters gebrochen. Es ist die Nacht, in denen man das Böse und die Unholde endgültig ausräuchert und schließlich mit geweihter Kerze bannt. Darum geht der Bauer mit der Bäuerin in der Perchtennacht (heute in der Nacht vor den Heiligen drei Königen) in Süddeutschland und Österreich nochmals räuchernd und geweihte Kerzen brennend durch das Haus.

Der Perchtenabend wird in manchen Gegenden mit Maskenumzügen begangen, den bekannten oberbayerischen Perchtenläufen, die aus heidnischer Tradition stammen und eine volkstümliche Darstellung der „wilden Jagd“ sind. Dieses auch heute bedeutendste Rauhnachtsbrauchtum findet meist in der letzten Rauhnacht, am „Öberschten“, statt. „Öberscht“ (der Oberste) bezeichnet dabei in der verchristlichten Rauhnachtszeit die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, während bei den Germanen natürlich der Abend des 2. Januar als Perchtenfest galt.

Dabei ziehen 12 häßliche (das alte Jahr) und 12 schöne (das neue Jahr) Perchten mit. Am Vorabend zum „Öberschten“ nun ziehen die „schiachen“ (häßlichen) Perchten durch Dorf und Flur. Ursprünglich handelte es sich dabei um zwölf Burschen, die in dunkle Felle und Vermummungen gekleidet waren und altüberlieferte, kunstvoll geschnitzte Holzmasken trugen. Eine Anzahl vermummter Gestalten folgte ihnen im geisterhaft flackernden Licht von Fackeln und Windlichtern, während Trommeln und Kuhglocken dröhnten und Peitschen knallten.

Offensichtlich versinnbildlichte das Perchtenlaufen das ewige Naturgeschehen der Ablösung des alten Jahres durch das neue, zumal anderntags die „schönen“ Perchten, im Gefolge häufig die gefesselten „schiachen“ Perchten der vergangenen Nacht, durch die Dörfer zogen. Die vielen und mannigfaltigen Volksgebräuche, besonders die Maskentänze, die verschiedenen Vermummungen, die Austreibungen von Tier- und Teufelsgestalten bedeuteten ursprünglich nichts anderes als den Sieg der Lichtkräfte, denen das Dämonenheer weichen muß.

Durch Lärmen und Rufen suchte man dies zu erreichen. Noch heute erinnern in manchen ländlichen Gegenden Umzüge mit Peitschenknallen und Böllerschießen oder das sogenannte Schreckläuten der Kirchenglocken an diesen alten Glauben vom Nutzen des „Heidenlärms“. Auch der Brauch des Silvesterfeuerwerks rührt hier her.

Die christliche Tradition ersetzte das Perchtenlaufen durch Beweihräucherung oder Weihwasserbesprengung, um die Erde zum Leben zu erwecken und sie fruchtbar und ertragreich werden zu lassen. Den lärmenden Perchtenläufen setzte das Christentum im Mittelalter auch die Dreikönigsaufzüge entgegen und in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu. Allerdings sind die Heiligen Dreikönige in Europa auch heidnischen Ursprungs, denn damit waren früher die drei Schöpfungsgötter Odin, Hönir und Loki gemeint, welche von der Kirche mit den drei Weisen aus dem Morgenland übertüncht wurden.

Das süddeutsche „Christkindl“, das durch ein erwachsenes Mädchen dargestellt wird und in weiblicher Gewandung umherzieht, wirkt auf den ersten Blick befremdend. Diese nach dem christlichen Dogma völlig unerklärliche Gestalt versteht man sofort als christlich verbrämtes Gegenstück der Frau Perchta.

Wie im Elsaß das weibliche Christkind, so bringt in Schweden Luzia am 13. Dezember mit einem Kranz brennender Kerzen im Haar allerlei Gaben, was sehr an die Brigid des Imbolc-Festes erinnert. Dies hat seinen Ursprung in der germanischen Auffassung von der Frau als Lichtträgerin, als Gebärerin des neuen Lebens. Der Begleiter des Lichtkindes ist in Schweden Hans Trapp, in ein Fell gekleidet und mit Rute und klirrender Kette ausgerüstet. Luzia selbst trat in Deutschböhmen als Ziege auf („Eisenberta“) und in Mittelfranken als Kuh.

Am 4. Dezember verteilt die eilige Barbara Geschenke an die Kinder. Auch sie ist eine Verchristlichung der Berchta. Katharina, Barbara und Luzia sind als „die drei heiligen Frauen“ in der Volksmeinung an die Stelle der drei Perchten getreten, und man hat sogar nach dem alten germanischen, ja indogermanischen Mondkalender, welcher der Sonnenrechnung vorausging, ihre Tage festgelegt. Der Tag der heiligen Katharina ist der 25. November. Neun Tage später folgte der Tag der heiligen Barbara, und nach abermals neun Tagen der der Luzia.

Auch das am Weihnachtstage erscheinende „Christkind“ ist eine der schwedischen Luzia ähnelnde Erscheinung. Es steckt die Lichter am Weihnachtsbaum an und bringt die Geschenke. Diese weibliche Gestalt kann nicht mit Jesus Christus in Einklang gebracht werden. Es ist darin vielmehr die weibliche Göttergestalt aus germanischer Zeit zu sehen, die man Berchta (Berta), d.h. „die Leuchtende“ nannte. Der Name Luzia ist aber nichts anderes als die lateinische Übersetzung für „die Leuchtende“. Das zeitlich verschiedene Auftreten der beiden Gestalten ist lediglich in der Verschiedenheit der Zeitrechnung begründet. Im Mittelalter war in Schweden der 13. Dezember der Wintersonnenwendtag, der Brauch ist also ein Sonnwendbrauch.

Während in Bayern einst drei Perchten auf ihrer nächtlichen Wanderung in jedem Hofe Gaben empfingen, gesellt sich in Kärnten zu den drei schönen Perchten eine vierte, „schiache“ (häßliche). Der Mondkalender umfasst drei Wochen von je neun Nächten und danach die drei dunklen Nächte der Neumondzeit, daher ist den drei Wochen je eine schöne Perchta, der dunklen Zeit des Mondlaufs aber eine vierte, häßliche und böse Perchta zugeordnet. Eine von den drei Schönen kehrt in jedem Hause den Boden. Man findet sie in einem schlesischen Weihnachtsspiel als dort unverstandenes „Kehrweibel“ in Gesellschaft eines abermals weiblichen „Christkindes“ wieder.

An Stelle des Schimmelreiters (ursprünglich Odin mit Sleipnir), der oftmals die Gaben bringt, und für dessen Roß die Kinder Hafer auslegen, wird hier und da nur der weiße Schimmel als Spender der Geschenke erwartet, in Nordböhmen das goldene Rößlein, manches Mal auch der goldene Wagen.

Quelle: die-dunkle-dimension.de

 

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